Geschichte der Münchner Wochenmärkte

23. Jun 2016

Märkte anno dazumal
Das Marktwesen in München ist eng mit der Stadtgeschichte verbunden, wie auch die Geschichte des historisch gewachsenen Viktualienmarktes zeigt. Vom „Augsburger Schied“ des Kaisers Friedrich I. Barbarossa am 14.06.1158 – der ersten urkundlichen Erwähnung Münchens als Marktplatz mit Zollbrücke und Münzstätte – bis zur Grundsatzentscheidung über die Einrichtung von Wochenmärkten in verschiedenen Stadtvierteln durch den Stadtrat unter dem Vorsitz des damaligen Oberbürgermeisters Hans-Joachim Vogel am 03.04.1968 ist viel Zeit vergangen. Die Wochenmärkte sind somit die jüngsten städtischen Markteinrichtungen.
Die Münchner Wochenmärkte wurden aus der Not heraus geboren.

Vorgeschichte
Ende der 50er Jahre herrschte in München eine große Wohnungsnot. Trotz des Wiederaufbaus der Stadt nach dem zweiten Weltkrieg wurden zusätzlich ungefähr 60.000 Wohnungen dringend benötigt. Zwischen 1960 und 1970 nimmt d ie Münchner Bevölkerung um ca. 300.000 Einwohner zu. Als Konsequenz aus dieser Wohnungsnot wurden seit Anfang der 60er Jahre große Neubauviertel errichtet (u.a. Neuperlach, Fürstenried, Hasenbergl, Blumenau und Neuaubing). Die neuen Viertel wurden rasch bezogen; schon bald aber wurde von den in den Neubausiedlungen wohnenden Bürgerinnen und Bürgern die mangelhafte Infrastruktur beklagt. Hauptsächlich fehlte es an Kindergärten, Schulen, öffentlichen Verkehrsmitteln und Einkaufsmöglichkeiten. Die Stadt machte sich daran, die Situation zu verbessern.

Die Wochenmärkte kommen
3. April 1960: Da die ständigen Lebensmittelmärkte, wie etwa der Viktualienmarkt, gut von den Münchnerinnen und Münchnern angenommen waren und damals wie heute nicht aus der Versorgungskette der Stadt wegzudenken sind, kam man auf die Idee, in den unterversorgten Stadtteilen zwar keine festen bzw. ständigen Lebensmittelmärkte, deren Erhaltungsaufwand sehr hoch ist, zu installieren, aber dafür Halb-, oder Ganztagesmärkte, die ein- oder zweimal pro Woche in den betroffenen Vierteln stattfinden sollten, einzurichten. Diese Märkte sollten von mobilen Erzeugern bzw. Marktkaufleuten beschickt werden, die die Münchner Bevölkerung mit Lebensmitteln und Blumen sowie Waren aus dem Nichtlebensmittelbereich versorgen sollten; eine Dultatmosphäre sollte jedoch vermieden werden. Von diesen Märkten erhoffte man sich „(…) eine erfreuliche Belebung der Außenbezirke und die Bildung kleinerer abwechslungsreicher und farbiger Lebenszentren (…)“, wie es im Grundsatzentscheidung des Stadtrates lautet. Da mit der Einführung dieser neuen Marktgattung Neuland beschritten wurde und es sich damals noch nicht voraussehen lies, wie sich die neuen Einrichtungen bewähren würden, konnte sich die Stadt vorerst nicht selbst zum Träger dieser Märkte machen und die in diesem Fall notwendige Marktverwaltung schaffen. Es wurde vielmehr die Lösung gefunden, dass der Bayerische Landesverband der Schausteller und Marktkaufleute e.V. vorerst für ein Probejahr Träger der Wochenmärkte sein sollte. Im Verlauf des Ersten Probejahres sollte beobachtet werden, wie sich die Märkte entwickeln, so dass danach die Stadt die Möglichkeit haben sollte, den weiterbetrieb zu versagen, weitere Märkte zu gestatten oder sie in eigener Zuständigkeit zu betreiben. Beim Gelingen des Vorhabens wurde letztere Lösung bevorzugt, weil eine unkontrollierte Ausweitung der Privatmärkte befürchtet wurde, die zu einer Belastung und/oder zu einer untragbaren Konkurrenz für den Einzelhandel in den Stadtvierteln führen könnte.

20. Mai 1969: Der erste Wochenmarkt in der Plettstraße (Neuperlach) wird eröffnet. In den darauffolgenden Tagen folgten die Märkte in der Berner Straße (Fürstenried-Ost), Wellenkampstraße (Hasenbergl) und in der Graubündener Straße (Fürstenried-West). Von diesem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr. Die Märkte wurden von der jeweiligen ansässigen Bevölkerung hervorragend angenommen.

1970: Das Probejahr wurde glänzend bestanden und die Stadt übernahm die Marktverwaltung. Die Zuständigkeit wurde dem Kommunalreferat – Großmarkthalle, einem kommunalen Betrieb, aufgrund der langjährigen Erfahrung bei der Verwaltung der festen Lebensmittelmärkte übertragen.
2. Februar 1989: Der Kommunalausschuss beschließt abermals eine Neuerung auf dem Gebiet der Wochenmärkte. Ab dem Frühjahr desselben Jahres sollten erstmals – zunächst auf Probe – unter dem Dach der Münchner Wochenmärkte reine Selbsterzeuger-, d.h. Bauernmärkte eingerichtet werden. Im Sinne der Verbundenheit der Stadt mit dem Umland erschien es angemessen und richtig, Bauern in der Stadt einen Vermarktungsbereich für ihre regionalen Produkte zur Verfügung zu stellen. Zudem ist es Selbsterzeugern wegen der Bindung an den Hof – im Gegensatz zu professionellen Marktkaufleuten – nicht möglich, täglich auf den Markt zu fahren. Träger dieser neuen Marktgattung ist der vom Bayerischen Bauernverband gegründete Bauernmarkt München e.V. Im Gegensatz zur Marktteilnahme an den Wochenmärkten muss ein Beschicker von Bauernmärkten u.a. Selbsterzeuger und Mitglied im Bauernmarktverein sein.

21. Juli 1990: Wie es nicht anders zu erwarten war, haben die beiden Probemärkte am Fritz-Hommel-Weg (Schwabing) und am Mariahilfplatz (Au) ihre Bewährungsprobe mit großem Erfolg bestanden.

14. Juni 1996: Der erste Bio-Wochenmarkt in München am Pfanzeltplatz (Perlach) wird eröffnet. Hier werden nur Waren verkauft, die nach ökologischen Anbaurichtlinien erzeugt werden. Damit wurde der Änderung der Verbrauchergewohnheiten Rechnung getragen. Bio-Wochenmärkte sind i.d.R. kleiner als konventionelle Wochenmärkte, da Öko-Anbieter regelmäßig eine größere Angebotspalette abdecken als hochspezialisierte Marktkaufleute auf konventionellen Märkten.